Projekttitel und Zielsetzung
- Titel: „Barrierefrei aus der Schuldenfalle“ (Arbeitstitel)
- Ziel: Abbau von Zugangsbarrieren zur Schuldnerberatung für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder in gesetzlicher Betreuung.
- Kern: Vernetzung der Hilfesysteme und Entwicklung leicht verständlicher, inklusiver Beratungsmethoden.
Ausgangslage und Problemstellung
- Menschen mit Behinderung sind stark von Armut und Überschuldung bedroht.
- Gesetzliche Betreuungen schränken die wirtschaftliche Eigenständigkeit oft ein, verhindern aber neue Schulden nicht zuverlässig.
- Amts- und Rechtssprache von Gerichten, Gläubigern und Anwälten ist für Betroffene meist unverständlich.
- Fachstellen der Schuldnerberatung sind selten auf kognitive Barrieren eingestellt.
- Die Behindertenhilfe verfügt über zu wenig schuldnerrechtliches Fachwissen.
Zielgruppen
- Menschen mit Lernschwierigkeiten (geistige oder kognitive Beeinträchtigungen) mit Schuldenproblematik.
- Personen unter gesetzlicher Betreuung mit Finanzschwierigkeiten.
- Fachkräfte aus der Schuldnerberatung sowie Betreuerinnen und Betreuer.
Wesentliche Maßnahmen
- Sensibilisierung & Schulung: Fortbildungen für Schuldnerberatungen zu Leichter Sprache und Behinderungen.
- Materialentwicklung: Übersetzung wichtiger juristischer Dokumente (Mahnungen, Schuldenbereinigungspläne) in Leichte Sprache.
- Modellhafte Beratung: Aufbau einer niedrigschwelligen, aufsuchenden und begleitenden Beratung in Kooperation mit Werkstätten oder Wohnheimen.
- Runder Tisch: Vernetzung von Betreuungsbehörden, Sozialpsychiatrischen Diensten und Schuldnerberatungsstellen vor Ort.
Erwartete Ergebnisse
- Verbessertes Problembewusstsein bei Betreuern und Leistungsträgern.
- Höhere Inanspruchnahme von Hilfeleistungen durch die Betroffenen.
- Entwicklung eines bundesweit übertragbaren Leitfadens für eine inklusive Schuldnerberatung.
Methodik und Konzeptbausteine
Das Projekt „Finanzkompetenz Inklusiv“ arbeitet mit einem niedrigschwelligen, partizipativen Ansatz:
- Materialien in Einfacher Sprache: Erstellung und Nutzung von leicht verständlichen Arbeitsmaterialien (z. B. Budget-Pläne mit Piktogrammen, haptische Lernspiele zum Umgang mit Geld).
- Peer-Education & Schulungen: Durchführung von praxisnahen Workshops in kleinen Gruppen, idealerweise unter Mitwirkung von bereits geschulten Betroffenen (Peers).
- Einzelfallhilfe und Coaching: Ergänzende individuelle Beratung für akute Krisensituationen in enger Abstimmung mit dem gesetzlichen Betreuer.
- Schulungsmodule für Betreuer: Spezifische Workshops für Betreuende, wie sie mit ihren Klienten das Thema Geld und Konsum partizipativ besprechen können.
Projektverlauf und Meilensteine (Beispielhaft)
- Monat 1 – 3: Konzeptionsphase, Entwicklung der barrierefreien Lehrmaterialien und Aufbau des lokalen Netzwerks in Gießen (z. B. Einbindung von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und Betreuungsvereinen).
- Monat 4 – 6: Pilotphase mit zwei Workshops à 8 Teilnehmern; Evaluation der Materialien und Methoden.
- Monat 7 – 18: Regelbetrieb und Ausweitung der Workshop-Angebote sowie offene Sprechstunden.
- Monat 19 – 24: Verstetigung, Abschlussbericht und Übertragbarkeit auf andere Landkreise.
Kooperationspartner und Netzwerke
- Betreuungsvereine, z.B. örtliche Träger in der Region Gießen/Mittelhessen
- Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)
- Amtsgerichte (Betreuungsabteilungen)
- Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen vor Ort